"Das schizophrene Leben ist gekennzeichnet durch Mangel an Einheitlichkeit und Ordnung aller psychischen Vorgänge". Manfred Bleuler

“Every autumn leaf is like a work of art -  every rolling cloud a moving picture every day a new story. Do not mourn the waves, the leaves and the clouds. Because even in darkness, the wonder and the beauty of this world never leaves us, it is always there, just to be seen again”” Hellblade

Die Gedanken, Empfindungs- und Gefühlswelt einer an Schizophrenie erkrankten Personen kann ein so intensives Erleben darstellen, dass es für Gesunde meist nicht vorstellbar und wenig verständlich ist. Fachleute sind diesen Erzählungen gefolgt, um aus dem Erleben der Betroffenen das zu entwerfen, was heute als das "zentrale schizophrene Syndrom" bekannt ist._admin

Gemeint ist eine enorme Vielfalt an Symptomen, welche erstaunlicherweise seit ca. 100 Jahren in ihrer Komplexität bekannt sind. Damals hat der Schweizer Psychater Eugen Bleuler das "Lehrbuch der Psychatrie" verfasst. Seine Beobachtungen und Beschreibungen sind bis heute kaum erweitert worden. Eugen Bleuler hat damals als Arzt, aber auch als Familienangehöriger das Leid der Kranken erlebt. Seine Schwester Pauline erkrankte nämlich bereits während ihrer Schulzeit an Schizophrenie

Aus diesem Grund ist es verständlich, dass er sich mit viel Empathie den Erkrankten widmete und aufrichtig helfen wollte - in einer Zeit, in der die psychatrischen Einrichtungen eher als Verwahranstalt galten, schaffte er es auch ohne damals vorhandene medikamentöse Therapie bei Erkrankten Verbesserungen alleine durch persönliche Zuwendung und allgemeingesundheitlichen Voraussetzungen zu erreichen.

1. Leidet jeder an den gleichen Symptomen?

Definitiv Nein!

Mann kann sagen, dass jeder Patient wirklich seine eigene unverwechselbare Ausprägung der Krankheit hat. Selbst bei wiederholtem Auftreten einer Psychose können diese Symptome ganz unterschiedliche Ausprägung haben. 

Wichtig ist auch, dass die Symptome niemals alle gemeinsam auftreten!

Bleuler schrieb schon 1911: "All die angeführten Störungen können vom Maximum, das einer vollständigen Verwirrtheit entspricht, bis auf nahezu null schwanken".

2. Überblick - Welche Symptome gehören zum schizophrenen Formenkreis? 

Man teilt ein in die Grundsymptome:

  • Formale Denkstörungen
  • Störungen der Affektivität 
  • Ich-Störungen

Außerdem gibt es sogenannte akzessorische Symptome. Akzessorisch bedeutet "hinzutretend" - also einfach nur "zusätzliche Symptome". Man nennt sie so, weil diese Symptome auch bei anderen Erkrankungen vorkommen. Außerdem sind sie eher eine Folge der Erkrankung bzw. ein Bewältigungsversuch des Gehirns. Dazu gehören:

  • Wahn
  • Halluzinationen
  • katatonische Symptome

Auf alle diese Punkte gehen wir jetzt näher ein.

3. Grundsymptome

3.1. Denkstörungen 

Das Denken des Kranken erscheint oft unklar, manchmal bis zu Unverständlichkeiten zerfahren. Es widerspiegelt seine Vergangenheit in eine imaginäre Welt von Vorstellungen, die seinem schwierigen Wesen besser entspricht als die wirkliche Welt. Neben krankhaften Denken geht, oft versteckt, gesundes denken und Urteilen weiter. (Eugen Bleuler 1911/1988)

3.1.1. Konzentrationsstörung

Bei den Störungen des Denkens gibt es nun auch ganz unterschiedliche Ausprägung. Zum einen gehören dazu allgemeine Konzentrationsstörung. Der Betroffene fühlt sich zerstreut und kann ich bei der Sache bleiben. Manchmal wird es auch als eine Verlangsamung der Gedanken empfunden. Einem Gespräch zu folgen kann so sehr anstrengend sein, da der Faden immer wieder abreißt.

3.1.2. Gelockerte Assoziationen

Ein weiteres Symptom sind gelockerte Assoziationen. Damit ist gemeint dass der Betroffene ein bestimmtes Wort hört was im Satz gesprochen wird und unerwartet darauf reagiert, zu einem ganz anderen Thema springt. Auf einen Satz wie: “Nein danke, ich möchte keinen Kuchen mehr!” folgt dann zum Beispiel “Meer, ja genau im Sommer waren wir im Meer schwimmen.” Alleine durch Ähnlichkeiten im Klang der Worte oder durch verbundene Erinnerung, springen die Gedanken des an Schizophrenie Erkrankten schnell zu völlig anderen Themen.

3.1.3. Zerfahrenheit

Zerfahrenheit ist die stärkste  Ausprägung dieser Denkstörungen.  Tatsächlich kann hier die Sprache bzw. können hier die Sätze des Erkranken absolut unsinnig klingen. Wie eine Aneinanderreihung von künstlich geschaffenen Wörtern die in der Realität gar nicht existieren. Aus den Wörtern “sportlich” und “schnell” wird dann z.b. die Wortschöpfung “spell”.

In schwacher Ausprägung hat das wahrscheinlich schon jeder von uns einmal erlebt. Besonders unter Stress oder wenn man abgelenkt ist kann es passieren, dass sich mal zwei Wörter miteinander vermischen.  Wichtig ist der Unterschied den Eugen Bleuler wie  folgendermaßen erklärte:

“Charakteristisch ist bloß, dass sich die Kranken auch dann im zerfahrenes Denken verlieren, wenn die momentane Lage jedem Gesunden ein erfahrungsgebundenes, logisches Denken aufzwingt.”

3.2. Veränderung und Störung der Gefühle

“Im alltäglichen Umgang wirken die Kranken oft gefühlskalt oder sinnlos gereizt und reizbar, inadäquat zur Realität, steif und unnatürlich in ihren gefühlsmäßigen Äußerungen. Verborgen kommt ihnen ein reiches Gemütsleben zu, das aber eher als mit der Realität mit ihrer imaginären Vorstellungswelt Bezug hat. Oft sind ihre Gefühle für den Gesunden schon deshalb nicht ein fühlbar, weil sich widersprechende Gefühle in ihrer Äußerung gegenseitig hemmen.” (E. Bleuler 1911/1988)

Oft wird mit Schizophrenie zuerst die Störung der Denkvorgänge verbunden.  tatsächlich hat aber die Störung und Veränderung der Gefühle - eine sogenannte Affekt-Störung eine enorme Bedeutung  und gehört tatsächlich zu den Grundsymptomen der Erkrankung!

Die Gefühle können dabei in der Qualität und der Intensivität gestört sein, z.B. beobachtet man:

  • eine stark gehobene Stimmung wie bei manisch Erkrankten
  • eine düstere und gedrückte Stimmung wie bei Depressiven

Da in beiden Fällen die Menge an Gefühlen in die eine oder andere Richtung verändert ist, ist das auch für Gesunde leichter nachzuvollziehen..

Wenn aber eine Störung in der Qualität von Gefühlen stattfindet, ist das wesentlich schwerer zu verstehen. Es kann z.b. eine enorme Heiterkeit vorliegen, obwohl gerade ein schlimmes oder trauriges Ereignis passiert ist. Man merkt also irgendetwas stimmt hier nicht, aber kann nicht erklären warum das Gegenüber sich so verhält.

Eine spezielle Art dieser unangebrachten Gefühlsäußerung nennt man Parathymie. Wenn dieses Symptom vorliegt, verhält sich der Schizophrene in einer z.b. traurigen Situation vielleicht heiter und fröhlich. Trotzdem empfindet er in seinem Innern korrekt, das heißt er ist traurig er ist verzweifelt.

Allein das Symptom der Erkrankung hindert ihn daran, die richtigen Gefühle nach außen zu zeigen. Für Betroffene kann sich dies anfühlen, als ob sie in sich selbst gefangen sind.

3.2.1. Gefühle der Anspannung und Angst

Wenn man plötzlich die Welt mit anderen Augen sieht, bedrohliche Dinge aus den Schatten hervortreten und das Denken Wahnvorstellungen entwirft,  ist es nur eine normale Folge, dass das alles zu großer Angst führen kann.

Vorher Vertrautes ist plötzlich unheimlich und bedrohlich. Diese Gefühle und Erfahrungen können so überwältigend sein, dass sie den Erkrankten in den Suizid treiben - ganz besonders deshalb, weil viele Schizophrene aufgrund ihrer Erkrankung sensibler und verletzlicher sind als vorher.

Selbst wenn der Schizophrene nach außen hin ruhig erscheint, kann innerlich eine extreme Anspannung herrschen - eine Ratlosigkeit. Dieser innere Gemütszustand kann sehr plötzlich umschlagen. Wichtig ist hier für den Patienten eine schnelle medizinische Versorgung, auch durch entsprechende Medikamente.

3.2.2. Andehodnie

Gemeint ist hiermit ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit und Leere. Glück, Vergnügen und Zufriedenheit können nicht mehr empfunden werden, was für viele Schizophrene sehr quälend ist und zum Suizid führen kann.

3.3. Ich Störungen

Jeder von uns hat ein Gefühl davon wer er selbst ist. Wir kennen unsere Gedanken, Gefühle, Erinnerungen und wie wir die Welt wahrnehmen.

Bis hierhin hast du aber schon erfahren, dass die Schizophrenie dazu führt, dass der Erkrankte die Umwelt, Außenwelt und seine eigenen Gedanken und Gefühle verändert wahrnehmen. Neue, fremde Empfindungen und Eindrücke, Wahnideen und Halluzination müssen in vom Gehirn die eigene Realität eingebunden werden.  Allein das kann dazu führen, dass man sich selbst fremd wird. Man erkennt sich selbst nicht wieder. Oder nimmt sich selbst als eine andere Person wahr. Hierzu gehört dann auch folgendes:

  • Gedankendrängen
    Gemeint ist hiermit ein ein Fluten von Gedanken, welche der Betroffene nicht kontrollieren kann. Außerdem kann er sie nicht unterdrücken. Das Gefühl besteht, dass etwas in ihm denkt und die eigenen Gedanken behindert.
    Wichtig: Dies ist oftmals ein sehr Frühes Symptom!
  • Gedankeneingebung
    Hiervon spricht man, wenn das Gefühl da ist, dass die eigenen Gedanken von außen eingegeben wurden. Beispielsweise durch andere Personen,  Hypnose oder durch irgendwelche unbekannten Mächte.
    Die Schizophrenie führt zu dem Gefühl wie eine Marionette oder ein Roboter gelenkt und gesteuert zu werden. Man steht unter fremden Willen.
    Außerdem kann es zu dem Gefühl kommen Gedanken anderer lesen zu können. In starken Ausprägung geht dies dann so weit, dass der Erkrankte denkt, selber die andere Person zu sein!
  • Gedankenentzug
    Dies ist das Gegenteil der Gedankeneingebung. Also, eine gefühlte Beeinflussung von außen, die dafür sorgt, dass eigene Gedanken gesperrt, blockiert werden oder nicht wahrgenommen werden können.

Zu den ich Störungen kann auch ein sozialer Rückzug gehören. (Teilweise wird dieser als Autismus bezeichnet, hat aber nichts mit der Erkrankung des frühkindlichen Autismus zu tun). Es kommt dann zu:

  • Emotionaler Distanz
  • einer Unfähigkeit, Kontakte zu pflegen
  • fehlende Anteilnahme an dem was in der Umgebung passiert
  • Mutismus -  gemeint ist, dass der Erkrankte nicht mehr spricht
  • Stupor = Bewegungsstarre längere Zeiträume

3.3.1. Was bedeutet der Begriff “doppelte Buchführung” in diesem Zusammenhang?

Gemeint ist, dass der Kranke sich als er selbst UND eine andere Person empfinden kann. Oder er lebt gleichzeitig in der in der wirklichen Welt UND der wahnhaften Welt. Wenn die die Symptome noch nicht zu stark ausgeprägt sind, kann der Schizophrenie-Erkrankte selber zur Einsicht kommen, dass es besser Hilfe zu suche - bzw. sich behandeln zu lassen.

4. Akzessorische bzw. zusätzliche Symptome

Hierzu gehören wie zu Beginn beschrieben Wahnideen, Sinnentäuschungen oder Halluzinationen und katatone Symptome (das sind Störungen zwischen Psyche und Bewegung des Körpers - auch Psychomotorik genannt).

Die meisten verbinden gerade Wahn und Halluzinationen mit der Schizophrenie, Tatsache ist aber, dass es hier um zusätzliche Symptome geht, nicht um die schon erwähnten Grundsymptome. Wie auch schon erwähnt kommen diese Symptome nämlich auch bei anderen Erkrankungen vor und sind unter Umständen eher eine Bewältigungsstrategie des Gehirns. Aber jetzt erst mal im Einzelnen:

4.1. Wahnideen in der Schizophrenie

Diese Wahnvorstellungen haben in Wurzeln darin, dass aufgrund der Krankheit eine Störung zu sich selbst vorliegt - und sich Beziehungen zur Außenwelt verändern.

Zu Beginn kann die Schizophrenie besondere Verletzlichkeit fördern und ängstliches Nachforschen und Grübeln, was andere über einen selber denken. Ablehnung und Zurückweisung bestätigen die aufkeimenden Gefühle nur noch umso mehr - und der Erkrankte kann gerade diese Gedanken anderer oft relativ sicher erkennen.

Im weiteren Verlauf kommt möglicherweise das Gefühl, dass das Gerede anderer Personen sich immer auf einen selber bezieht - das meist in negativer und abwertender Weise.

Irgendwann beginnt der Erkrankte tatsächlich diese Gespräche zu hören - oder eine Art Gemurmel. Zumeist ebenso negativ. Diese Gespräche sind aber tatsächlich nicht real, was dann besonders deutlich wird, wenn auch Gespräche völlig Fremder im Fernsehen, Radio oder auf der Straße als Lästern oder Negativbotschaften über einen selbst wahrgenommen werden!

Tipp: Hier finden Sie ein PDF, mit einem Fallbeispiel einer Schizophrenen Erkrankung.

Je nachdem, welche “Bedürfnisse” ein Erkrankter eigentlich besitzt spricht man von:

4.1.1. Größenwahn

Das dahinter stehende Bedürfnis: “Ich möchte mehr sein, als ich bin.”

4.1.2. Verfolgungswahn

Das dahinter stehende Denken: “Ich kann meine Ansprüche und die anderer nicht erfüllen. Ich kann bestimmte Ängste nicht abwehen.”

4.1.3. Beziehungswahn

Das dahinter stehende Bedürfnis: “Ein unerfüllter Wunsch nach einer Beziehung zu einer bestimmten Person.”

4.1.4. Schuldwahn

Dahinter stehend: “Gefühle der Unzulänglichkeit.”

 

Wahnideen und Halluzinationen gehen oft Hand in Hand und können sich auch darum drehen, dass geliebter Personen von äußeren Kräften bedroht werden. Nachrichten, Geheimdienste und Weltereignisse werden teilweise in die Wahnideen eingebracht, genauso, wie Dinge im eigenen Umfeld: Radio, TV, Handy. Alles wird bedrohlich aber gleichzeitig absolute Realität. Wichtig:

  • Für Wahnideen ist charakteristisch, dass die für den Erkrankten ABSOLUTE GEWISSHEIT sind!
  • Die Ideen lassen sich durch Diskussionen in keiner Weise wegdiskutieren.
  • Der Versuch dazu kann zur Verzweiflung und Enttäuschung führen!

4.2. Sinnestäuschungen & Halluzinationen

Zum einen gibt es die Sinnestäuschungen in dem Sinne der Illusion - gemeint ist, dass etwas real vorhandenes wahrgenommen wird, jedoch verfälscht. Aus einem Schatten wird ein Gesicht - aus dem Geräusch des Windes ein Lachen usw.

Die Steigerung sind dann die Halluzinationen, bei denen kein äußerer Reiz vorhanden sein muss und dennoch etwas gesehen, gehört, gespürt, geschmeckt oder gerochen wird, was nicht vorhanden ist (Sehen, Schmecken und Riechen ist seltener betroffen, kann dann aber Ängste z.B. vor Gift oder Gas hervorrufen).

Neben beängstigenden, gefühlten Berührungen können auch starke Schmerzen als taktile also spürbare Halluzinationen auftreten.

4.2.1. Schizophrenie und “Stimmen hören”

Sehr häufig ist, dass bei Psychosen Stimmen gehört werden - tatsächlich ist heutzutage bekannt, dass im Gehirn sogar tatsächlich das Zentrum aktiv ist, welches für das Hören zuständig ist. Es ist also nicht eine Stimme im Kopf, sondern eine tatsächlich gehörte Stimme oder Stimmen irgendwo im Raum. Diese Stimmen...

  • … kommentieren, was der Erkrankte gerade tut … z.B.
    “Ah Sie geht in die Küche. Sie öffnet die Tür…”
  • oder die Stimmen spotten und lästern über den Erkrankten
  • werden als Verfolger wahrgenommen
  • geben Befehle oder Anweisungen, oft negativ und selbstverletzend
  • Es gibt Erkrankte mit freundlichen Stimmen. Einige Schizophrene haben gut gelernt mit den Stimmen zu leben, oder finden diese sogar interessant.

4.3. Katatone Symptome

Hier gibt es zum einen die Bewegungslosigkeit - den schon genannten Stupor. Eine Bewegungslosigkeit, in der ein Kranker sich nicht bewegen und sprechen kann und vor sich hin starrt - aber gleichzeitig alles völlig klar oder empfindsamer als sonst miterlebt und auch später davon erzählen kann! Dieser Zustand der Lähmung kann logischerweise große Angst verursachen - das wird wohl jeder nachvollziehen können.

Gegensätzlich dazu ist die katatone Erregung - ein Zustand großer kaum beherrschbarer Unruhe, verbunden oft mit Aggressivität.

 

Man merkt also bis hierhin, wie vielfältig die Symptome der Schizophrenie und natürlich das damit verbundene Leid der Kranken und Angehörigen ist! Eine Diagnose ist, wie man deutlich merkt, also keinesfalls selber zu stellen! Hier braucht man medizinische Hilfe, Rat und Anleitung, um herauszufinden, ob eine Schizophrenie vorliegt oder eine andere Erkrankung Ursache der Symptome ist - aber dazu mehr in anderen Artikeln.