Je früher eine beginnende Psychose behandelt wird, um so geringer ist in der Regel die Beeinträchtigung des weiteren Lebens. Gerade für junge Patienten kann die Erkrankung bedeuten, dass andernfalls große Probleme in der Schule, Ausbildung bzw. am Arbeitsplatz auftreten und die Zukunftsperspektiven ins Wanken gebracht werden.

1. Symptome, die keiner als solche bemerkt

Eine Psychose ist kein Schnupfen! Bei einem Schnupfen kann ich ja auch vorsorglich Substanzen einnehmen, die meinen Körper stärken. Für die Behandlung der Psychose muss aber erst einmal eine eindeutige Diagnose da sein - ansonsten kann nicht zielgerichtet behandelt werden. Verschriebene Medikamente haben Auswirkungen auf die Psyche - da behandelt man nicht auf gut Glück!

Schwierig ist nur, dass die ersten Symptome meist nicht erkannt werden, sondern Freunde oder Familie nur bemerken, dass "irgendetwas komisch ist". Erst im Rückblick ergibt es dann Sinn und es erschließt sich, welche Persönlichkeitsveränderungen bereits Symptome der beginnenden Schizophrenie gewesen sind.

Manchmal haben die Betroffenen in dieser Zeit sogar schon selber Hilfe z.B. beim Hausarzt gesucht wegen:

  • Erschöpfung
  • Gereiztheit
  • Dem Gefühl krank zu sein
  • Dem Gefühl mit dem Alltag, Schule oder Beziehungen nicht mehr klar zu kommen
  • oder einem unbestimmten Gefühl, dass einfach "Irgendetwas nicht stimmt"

Die genannten Punkte sind in der Fachsprache "unspezifische Symptome". Da alle genannten Punkte auch ganz andere, alltägliche Ursachen haben können werden auch die meisten Ärzte erst einmal Stress, Frühjahrsmüdigkeit, Überforderung, eine verschleppte Grippe, ungesunde Ernährung oder ähnliches als Erklärung heranziehen.

Tatsächlich ist das in den meisten Fällen solcher Symptome auch korrekt - bis auf wenige Ausnahmen.

1.1. Was Eltern bemerken

In der Vorphase der beginnenden Psychose können Eltern bereits deutliche Veränderungen ihrer Kinder wahrnehmen. Was kann das sein?

  • Kinder sind sehr plötzlich frech zu den Eltern
  • Gewissenhafte Kinder werden nachlässig
  • fleißige werden faul
  • sie haben keine Ausdauer, sind ziellos
  • ziehen sich zurück
  • gehen nicht mehr zur Schule, Uni, Ausbildung
  • vernachlässigen Kleidung oder Körperpflege
  • schlafen Tagsüber & sind Nachts wach 
  • fühlen sich ständig ungerecht behandelt
  • Überempfindlichkeit, Verletzlichkeit

Auch hier gilt wieder, dass alle Punkte auch ganz einfach mit der Pubertät oder dem "selbstständiger werden" zu tun haben können. Distanz zu den Eltern aufzubauen, sich abzunabeln und damit einhergehende Konflikte sind in vielen Fällen nun einmal der normale Lauf der Dinge. In einigen wenigen Fällen sind genannte Punkte aber tatsächlich Vorboten einer beginnenden Psychose.

1.2. Wie die Betroffenen die Situation erleben

Aus Sicht des erkrankten Kindes ist es ebenfalls so, dass starke Veränderungen zu spüren sind. Sie suchen außerdem nach Gründen für die Konflikte mit Ihren Eltern oder Freunden - und auch für die eigene größer gewordene Verletzlichkeit. Teilweise werden dann die anderen verantwortlich gemacht mit Vorwürfen wie:

  • meine Eltern sich rücksichtslos
  • sie meinen es nicht gut mit mir
  • sie reden hinter dem Rücken über mich 

Solche Gedanken können im weiteren Verlauf extremer werden. Ängste vor vertrauten Personen oder Fremden können dazu kommen und sich in Wahn und Paranoia steigern. Häufig kommt auch eine Überempfindlichkeit gegenüber Sinnesreizen dazu. Lärm, laute Musik, grelle Farben oder auch körperliche Nähe werden als unangenehm empfunden.

2. Versuche die Symptome zu bewältigen

In dieser neuen Lebenssituation lernen die Erkrankten bereits ihre neue Situation zu verstehen und suchen Strategien, diese veränderte Wahrnehmung zu bewältigen. Das kann nun positive oder negative Auswirkungen haben.

Negativ wäre:

  • Untaugliche Selbstbehandlung durch z.B. Cannabis oder Alkohol
  • Gefundenen bzw. konstruierte Erklärungen fördern die Wahnvorstellungen. Die Suche nach Verschwörungen hinter jeder Ecke. Der Idee, als einziger die Realität erkennen zu können und eine Bedrohung hinter allem möglichen zu sehen.
  • Die Folge ist wie gesagt ein weiteres Versteifen in Wahnideen und auch ein extremer sozialer Rückzug bis hin zum Abbruch aller zwischenmenschlichen Beziehungen.

Diese negativen Bewältigungsversuche können natürlich großes Leid verursachen, zumal die Erlebnisse oft als eigenes Scheitern wahrgenommen werden. 

Positiv dagegen kann folgendes eintreten:

  • Der an Schizophrenie Erkrankte lernt mit seiner verminderten Leistungsfähigkeit umzugehen. 
  • Er lernt z.B. mit Einsamkeit und dem Gefühl allein zu sein klar zu kommen.
  • Konzentrationsprobleme werden überwunden oder gelernt diese zu akzeptieren
  • Es werden Möglichkeiten gefunden, einen "geschützten Bereich" aufzubauen. Einen Ort, oder Gedanken die helfen dem Druck auszuweichen oder neue Kraft zu sammeln.

Wenn genau diese positiven, konstruktiven Strategien schon vor einer Diagnose gefunden werden ist das für den Erkrankten logischerweise ein riesiger Vorteil. Wird dann später die Diagnose gestellt ist der Schock geringer und einige gefundene Strategien können weiter genutzt oder sogar ausgebaut werden.

3. Schizophrenie früh behandeln - Resumee

  1. Eine frühe Behandlung ist richtig & wichtig.
  2. Die Schwierigkeit ist eine frühe Diagnose (oft vergehen Jahre zwischen ersten Symptomen & erster Behandlung).
  3. Möglicherweise ist die Behandlung bei Verdacht auf eine beginnende Psychose die gleiche, die Jugendliche in Problemphasen sowieso benötigen:
    Geduld, Verständnis, Geborgenheit, Zuhören, Unterstützen (vielleicht auch therapeutische Hilfe)
  4. Neuroleptika bei ungesicherter Diagnose wären allenfalls zur versuchsweisen Bestimmung der Erkrankung möglich.
    Wenn die Medikamente helfen, ist die Diagnose einer Schizophrenie zumindest wahrscheinlicher.  

Tipp an Eltern: Wenn Sie berechtigte Sorgen haben und sich fragen, was mit Ihrem Kind los ist, lassen Sie sich vom Hausarzt an den fachpsychatrsichen Dienst überweisen. Machen Sie dort einen Termin und erklären erst einmal alleine, ohne ihr Kind alle Beobachtungen, welche Sie beunruhigen. Der Facharzt kann dann weiterhelfen.