Die bis gerade noch unbekannte Erkrankung erhält einen Namen. Bei vielen Krankheiten kann eine Diagnose entlasten, bei psychischen Leiden ist aber auch die Diagnose immer wieder mit Angst und Unverständnis belegt.

Das liegt wohl daran, dass psychische Leiden für viele immer noch sehr schleierhaft sind, fremd und man bisher nicht damit konfrontiert war. Außerdem beeinflusst die Schizophrenie wahrscheinlich das weitere Leben relativ deutlich. 

Wie wird aber die Diagnose erstellt?

1. Kriterien für die Diagnose

Als allererstes muss ausgeschlossen werden, dass eine organische Erkrankung die Ursache der Symptome bzw. der Psychose ist. Auszuschließen sind also:

  • Gehirntumore
  • Entzündungen des Gehirns
  • schwere internistische Störungen - also eine andere Erkrankung innerer Organe 

Wenn Drogenkonsum vorlag oder vorliegt, dann können Symptome einer Psychose auch im Rahmen von Entzugserscheinungen auftreten. Oder die akute Psychose wurde durch die Einnahme von Drogen ausgelöst - man sagt dann "drogeninduziert".

Körperlich untersucht wird unter anderem:

  • Im Labor: Urin- / Blutuntersuchung, um toxische Stoffe & Droge auszuschließen, Chromosomenuntersuchung des Blutes
  • EKG, EEG (Untersuchung der Hirnströme)
  • Röntgenaufnahmen,
  • Untersuchung des Schädels / Gehirns per: CT, PET, Kernspintomografie

1.1. Gespräche mit dem Arzt

  1. In einem sehr ausführlichen Gespräch bzw. einer Befragung vermerkt der Arzt alle Punkte, die für die Stellung der Diagnose relevant sind. Er sammelt sozusagen die ersten Indizien, um die Diagnose einzugrenzen.
  2. Dabei ist es auch wichtig das Verhalten des Patienten zu beobachten, und Beobachtungen naher Bezugspersonen mit einzubeziehen.
  3. In selteneren Fällen werden auch Schreiben oder Bilder des Patienten mit eingebracht. Man nennt diesen Teil der Untersuchung: Selbstzeugnis des Patienten.

Nach dem Zusammentragen dieser Fakten ergibt sich langsam ein Bild. Wichtig ist aber:

  • Geduld
  • auch wiederholtes Befragen kann nötig sein
  • gute Beobachtung
  • und vor allem Erfahrung!

Es gibt übrigens keinen speziellen Test oder eine einzelne Untersuchung, mit der man eine Schizophrenie diagnostizieren kann!

1.2. Gibt es nicht mit dem ICD-10 einen Standard zur Diagnose?

Richtig ist, dass das sogenannte ICD-10 (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems) als System zur Klassifikation von Krankheiten genutzt wird. 

Tatsache ist aber, dass die 340 möglichen Symptome der Schizophrenie auf weniger als ein Dutzend reduziert wurde. Zur schnellen Klassifizierung wäre dies natürlich praktisch, aber in der Realität reicht es nicht die Kriterien einfach Checklisten ähnlich anzuhaken.

In den Gesprächen mit dem Erkrankten und den Angehörigen ist eine genau Untersuchung der Lebensgeschichte notwendig: Veränderungen des Erlebens und Verhaltens, ungewöhnliche Reaktionen auf das Umfeld, sozialer Rückzug usw.

Diese biografische Entwicklung wird zwar im ICD-10 gefordert, rückt aber zu schnell in den Hintergrund, wenn nur "Hauptkriterien" Beachtung finden.

Klassifikationen sind keine Diagnosen!

Hauptkriterien nach dem deutschen DSM-IV wären z.B:

"Wenn mindestens zwei der folgenden Merkmale, jedes bestehend für einen erheblichen Teil einer Zeitspanne von einem Monat (oder weniger, falls erfolgreich behandelt) müssen vorliegen:

  1. Wahn,
  2. Halluzinationen,
  3. desorganisierte Sprechweise,
  4. grob desorganisiertes Verhalten."

Wie gesagt, reicht diese kurze Checkliste des DSM nicht aus könnte aber als Ausgangshypothese genutzt werden. Die genaue Diagnose muss dann anschließend erhoben werden.

1.3. Wie helfen die Untersuchungsmethoden, eine Diagnose zu stellen?

Wie gesagt ist ein wichtiger Faktor die Befragung durch einen erfahrenen Mediziner. Hier möchten wir aber nochmals kurz erklären, welche Untersuchungen wofür gedacht sind:

1.3.1. Laboruntersuchungen

Blut und Urin werden untersucht, um chronische Krankheiten und Entzündungen im Körper festzustellen, Schilddrüsenfunktion, so wie Leber und Nierenwerte zu bestimmen. Außerdem wird Vitamin B12 und Eisenmangel ausgeschlossen und auf toxische Stoffe und Drogen untersucht.

1.3.2. Liquordiagnostik (Punktierung des Nervenwassers um das Rückenmark)

Ist selten erforderlich und dient dann zur Diagnose, ob eine Entzündung des Gehirns vorliegt.

1.4. EEG (Elektroenzephalogramm)

Messung der Hirnströme. Am Kopf werden Elektroden aufgelegt (völlig schmerzfrei) und die Ströme im Gehirn werden dann im Computer abgebildet. Damit können krankhafte Veränderungen erkannt werden.

1.4.1. CCT (carniales Computertomographie)

In der aus Film und Fernsehen bekannten "Röhre" wird ein Gesamt-Bild des Gehirns erzeugt. Es werden sozusagen Röntgenaufnahmen in Schichten gemacht durchgeführt und im Computer zu einem Gesamtbild zusammengefügt. Hiermit können Veränderungen im Gewebe ausgeschlossen werden.

1.4.2. Kernspintomografie

Gehört bei Ersterkrankungen mit zur Standarduntersuchung. Im Grunde wird auch hier wie beim CCT ein Gesamtbild des Gehirns erzeugt. Nur auf Basis von Magnetfeldern, statt Röntgenstrahlen.

1.4.3. PET (Positronen-Emissions-Tomographie)

Hier wird eine sehr schwach radioaktive Flüssigkeit in eine Vene gespritzt. Es können dann Aufnahmen vom Gehirn gemacht werden, die Einblick in den Stoffwechsel des Gehirns geben. Diese Methode ist besonders wertvoll für die Forschung, um Vorgänge im Gehirn und die Wirkung von Medikamenten besser zu verstehen. 

Alle genannten Punkte dienen auf keinen Fall der Selbstdiagnose! Hier sind Fachwissen und Erfahrung gefragt!

Wenn du dich in dieser Situation wiederfindest, also direkt oder indirekt Betroffener (also Angehöriger) sind Gefühle der Angst und Unsicherheit kein Grund sich zu schämen. Es ging schon vor dir vielen anderen Personen so. Und viele andere vor dir haben geschafft diese Herausforderung zu meistern, daraus zu lernen und die anfängliche Angst in konstruktive Bahnen zu lenken.