Hier erfährst du, wann man von einer Psychose spricht, welche Unterschiedlichen Formen es gibt, und was die bekannten Ursachen sind.  

Von einer Psychose spricht man, bei einer psychischen Störung, die zu einer starke Beeinträchtigung führt. Hierzu gehören Beeinträchtigung... 

  • der Wahrnehmung der Wirklichkeit & Sinneseindrücken
  • der Interpretation oder Auffassung der erlebten Wirklichkeit

Falls es nicht zu einer Spontanheilung kommt, werden neben psychotherapeutischen Behandlungsoptionen meist Neuroleptika zur Behandlung verwendet.

Psychose bedeutet übersetzt „Seelenkrankheit“ bzw. „seelische Krankheit“. Früher wurde der Begriff genutzt alle möglichen Arten sogenannter Geisteskrankheit medizinisch zu beschreiben. Heute ist die Bedeutung aber auf bestimmte Krankheitsbilder eingeengt.

1. Krankheitsbild - Woran erkennt man ein Psychose?

Mit einer Psychose ist also eine schwere psychische also seelische Erkrankung gemeint, die aus eigener Kraft nicht bewältigt werden kann. Die häufigsten Symptome der Psychose sind:

  • Eine gestörte Wahrnehmung der Wirklichkeit
  • Halluzinationen (meist akustische, aber auch visuelle, Gerüche, Geschmack oder Tastwahrnehmungen)
  • Eine Störung davon, bestimmte Tatsachen einsehen zu können.
  • Wahn / Realitätsverlust
  • Mangelnde Fähigkeit mit den normalen Lebensanforderungen klarzukommen
  • Stark verändertes Denken, Wollen, Fühlen und Handeln
  • Depression, Ängste, Verwirrtheit, Desorientierung, Gedächtnisstörungen

Häufig kommt es zu Verfolgungswahn oder sogenanntem Beziehungswahn. Dieser bedeutet, dass der Betroffene jegliche Wahrnehmungen fälschlicherweise immer auf sich bezieht. Egal was passiert, er meint die Sache geschehe wegen oder für ihn. Andere Erkrankte meinen die Umwelt sei nicht mehr real oder sie selber wären verändert. Teilweise ist auch das Gefühl da, von Gedanken anderer beeinflusst oder gelenkt zu werden oder deren Gedanken lesen zu können.

Solche Denkstörungen können unterschiedlich stark ausgeprägt sein In schwacher Ausprägung kommt es zu Unkonzentriertheit oder Verwirrtheit, häufig mit begleiteten Stimmungsschwankungen. Die Leistungsfähigkeit kann vermindert sein - Depressionen und Ängste auf.

Der Begriff Psychose ist also eher ein “schwammiger Oberbegriff” und kann durch vielfältige Dinge verursacht werden. Man unterteilt hier weiter in primäre und sekundäre Psychosen.

Wer bestimmt die Begriffe? Das ICD, die Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD, englisch International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems) ist das weltweit genutzte Klassifikationssystem für medizinische Diagnosen. Herausgegeben wird es von der WHO. Die aktuelle, international gültige Ausgabe ist ICD-10. (http://www.icd-code.de/)

1.1. Primäre (nicht-organische) Psychosen

Sogenannte primären Psychosen sind (im Gegensatz zu den “sekundären” Psychosen) körperlich nicht begründbar.

  • Bereits Monate und Jahre vor einem akuten Schub zeigen sich erste Symptome (Prodromalsymptome genannt). Leider sind diese meist schwer zu erkennen und werden meist erst im Nachhinein von den Angehörigen oder Betroffenen als  Frühsymptome mit der Psychose in Verbindung gebracht. Selbst für Ärzte ist es meist schwer diese Symptome als Vorboten einer Psychose zu erkennen.

Die Betroffenen leiden also oft schon lange vor Ausbruch der Psychose an z.B.

  • Antriebsmangel,
  • Schlaf- und Konzentrationsstörungen
  • gedrückter Stimmung
  • Anspannung, Nervosität
  • sozialem Rückzug

Alle diese Symptome können auch ganz harmlose Ursachen haben, sollten aber untersucht werden wenn sie eine dauerhafte Belastung darstellen

Zu den primäre Psychosen gehören:

1.1.1. Schizophrene Psychosen

Psychosen des schizophrenen Formenkreises (wird heutzutage anstelle des Begriffs Schizophrenie verwendet).

Weltweit erkranken ca. 1% der Bevölkerung im Laufe des Lebens an solch einer Psychose. Kulturell gibt es hier keine oder nur minimale Unterschiede.

  • Wenn aber ein Elternteil betroffen ist, dann steigt das Risiko zu erkranken auf ca. 10 %.
  • Bei Onkeln und Tanten auf ca. 2 %.
  • Bei eineiigen Zwillingen auf ca. 50 %.

Männer erkranken am häufigsten zwischen dem 18. und 23.
Frauen etwas später, zwischen dem 23. und 28. Lebensjahr.
Die Häufigkeit der Erkrankung zwischen Männern und Frauen ist aber ausgeglichen. Nur das erste Auftreten unterscheidet sich.

  • Bei 10–20 % kommt es nur zu einer einmaligen psychotischen Episode.
  • In ca. der Hälfte zu wiederkehrenden Schüben und störungsfreien Phasen dazwischen.
  • Bei ca. 20–30 % kommt es zu wiederkehrenden Schübe und zusätzlich anhaltende Symptomen (z.B. Depression, Antriebslosigkeit, Angstzustände etc.).

Der Tod eines nahen Angehörigen der Mutter im ersten Schwangerschaftsdrittel (Trimenon) kann das Risiko des Ungeborenen, später an Schizophrenie zu erkranken erhöhen. Die aktuell (2018) gebräuchlichste Arbeitshypothese zu den Ursachen der Schizophrenie ist das Vulnerabilitäts-Stress-Modell. Es wird angenommen, dass bei vorhandener Veranlagung (genetisch oder vorgeburtlich entstanden) aktueller Stress ein Auslöser dienen kann.

1.1.2. Schizoaffektive Psychosen

Dieser Begriff wird angewandt, wenn sich Symptome der schizophrenen (Wahn, Halluzinationen) und der affektiven Psychose (depressive, manische Zustände) vermischen oder fast gleichzeitig auftreten. Hierzu gehören:

  • Schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen
  • Manie mit psychotischen Symptomen (z. B. Wahnvorstellungen / Größenwahn, oder Halluzinationen z.B. Stimmen hören)
  • Bipolare affektive Störung (eine manische Episode mit psychotischen Symptomen)
  • Bipolare affektive Psychose (eine schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen)

Behandelt werden akute Manien medikamentös mit Neuroleptika, Depressionen mit  Antidepressiva. und je nach Schwere mit begleitender Psychotherapie. Teilweise sind bei Manien und schweren Depressionen soziotherapeutischen Maßnahmen angebracht (genau wie bei schizophrenen Psychosen).

1.1.3. Schizotype Störung

Hiermit ist eine psychotischen Störung gemeint, bei der es zu ungewöhnlichen Wahrnehmungserlebnissen und Denkstörungen kommt. Allerdings nicht mit der Schwere und Ausprägung wie bei einer Schizophrenie. Merkmale sind:

  • Anomalien des Denkens und der Stimmung
  • Anhedonie, Tendenz zu sozialem Rückzug
  • paranoische Ideen (aber keine direkten Wahnvorstellungen)
  • zwanghaftes Grübeln
  • Denk- und Wahrnehmungsstörungen
  • gelegentlich Episoden mit Illusionen, akustischen oder anderen Halluzinationen

1.1.4. Anhaltende wahnhafte Störungen

Gemeint ist ein langandauernder Wahn als entscheidendes Merkmal. Betroffene haben eine einzelne Wahnidee oder unterschiedliche aber aufeinander bezogene Wahninhalte.

1.1.5. Akute vorübergehende psychotische Störungen

Merkmale sind ein plötzlicher Beginn innerhalb von zwei Wochen und schnell wechselnde Symptome.

  • typischen schizophrenen Symptomen (Wahnvorstellungen, Halluzinationen und andere Wahrnehmungsstörungen)
  • schwere Störung des normalen Verhaltens auftreten.

Die Dauer dieser Erkrankung beträgt maximal bis zu drei Monaten.

1.1.6. Induzierte wahnhafte Störungen

Diese Erkrankung ist extrem selten. Hierbei wird die Wahnvorstellungen einer Person auf eine nahestehende gesunde Person übertragen (induziert). In der Regel stehen sich diese  Personen sehr nahe. Noch seltener betrifft die Störung gleich mehr als zwei Personen (z.B. Eltern und Kinder).

1.2. Was sind sekundäre (organische, symptomatische) Psychosen?

Bei dieser Art Psychosen gibt es eine spezifische Ursache welche das Gehirn direkt oder indirekt beeinträchtigt. Hierzu gehören:

  • Durchblutungsstörungen des Gehirns
  • Hirnverletzungen & Entzündungen
  • Gehirntumore
  • Schwere Elipelspie
  • Hormonelle Störungen
  • Mangel bestimmter Nährstoffe
  • Drogen
  • Nebenwirkungen bestimmter Medikamenten

Die Ursachen organischer Psychosen werden aufgeteilt in:

  • primäre:
    Gemeint sind Ursachen, die das Gehirn direkt schädigen (z.B. Epilepsie,  Gehirntumor).
  • sekundäre:
    Diese Ursachen schädigen das Gehirn indirekt z.B.:
    Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes; Vergiftungen durch schädigende Substanzen wie Alkohol, Medikamente, Drogen; organische Schäden der Leber / Nieren).

1.3. Wann spricht man von einer “akuten” organischen Psychose?

Bei einem plötzlichen Auftreten mit Störungen der Kognition, Psychomotorik und des Affekts spricht man von einer akuten organischen Psychose.  Hierbei kann es zur Desorientierung und Bewusstseinsveränderung kommen. Solche akuten organische Psychosen bilden sich bei entsprechender Behandlung normalerweise schnell  zurück.

Formen der akuten organischen Psychose sind:

1.3.1. Das hirnlokale Psychosyndrom

Gekennzeichnet durch:

  • Bewusstseinsstörungen
  • Gedächtnisstörungen
  • Orientierungsstörungen
  • Wahn und Halluzinationen

Ursachen sind diverse Veränderungen im zentralen Nervensystem, durch:

  • Hirntumore
  • Schädel-Hirn-Trauma
  • frühkindliche Hirnschädigungen
  • Vergiftungen
  • Infektionen (z.B. Gehirn/Hirnhaut-Entzündung),
  • Epilepsie oder Durchblutungsstörungen

1.3.2. Delir (Delirium)

Gemeint sich ein Zustand fluktuierender Bewusstseinstrübung, der mit einem Krampfanfall beginnen kann. Weitere Symptome sind:

  • Desorientierung
  • Gedächtnisstörungen
  • Halluzinationen
  • ängstliche Unruhe
  • ausgeprägtes Zittern (Tremor)

Auslöser für ein Delir kann hohes Fieber sein, Vergiftungen, Infektionen oder Flüssigkeitsmangel. Bei Alkoholabhängigkeit kann ein Delir während des Entzugs oder einer Phase sehr schweren Missbrauchs auftreten.

1.3.3. Durchgangssyndrom

Das Durchgangssyndrom ist zeitlich begrenzt und kann nach Operationen auftreten. Symptome sind Vergesslichkeit, gehemmte Reaktionsfähigkeit oder Schwindel. Nicht oder nur schwach vorhanden sind Bewusstseinstrübung, Halluzinationen und Wahn.

1.4. Wann spricht man von chronische organische Psychosen?

Diese Störungen sind Folge einer chronischen Gehirnerkrankung. Folge sind:

  • eine (erworbene) Beeinträchtigung des Gedächtnisses
  • Einschränkung kognitiver Fähigkeiten (abstraktes Denken, Konzentration, Urteilsvermögen)
  • Veränderungen von Psychomotorik
  • Beeinträchtigung sozialer Beziehungsgestaltung

Ursache können sein:

  • chronische Erkrankungen des Gehirns
  • Substanzmissbrauch  (z.B. bei Alkoholabhängigkeit)
  • frühkindliche Hirnschäden